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Needful Things
Das Leben in den USA stellt einen vor so manche Herausforderung. Dazu gehören der Umgang mit Haushaltsgeräten, die Pflege des Rasens, das Geduldsspiel beim Autofahren und vieles mehr. Laßt Euch erzählen, was wir hier schon alles gelernt haben:
Gustls Kollegen haben uns alle darauf hingewiesen, daß in einer ordentlichen neighbourhood die Vorgärten IMMER gepflegt auszusehen haben. Der rückwärtige Garten interessiert niemanden, aber vorne rum hat es sauber und gut gestutzt zu sein. In einem Fall gab es wohl sogar ein Schreiben von der Gemeinde, man möchte doch mal den Rasen mähen, wie sähe das denn aus? Also haben die Schusters einen Rasenmäher gekauft, der mit Benzin betrieben wird, denn den Kampf mit dem Kabel, das hier mindestens vierzig Meter lang sein müßte, wollten wir uns nicht antun.
Das ist er also, ist er nicht hübsch?
Das Betanken und Zusammenbauen haben Gustls ganze Kraft gekostet, aber der Kleine fährt dafür von selbst, man muß also wenigstens nicht schieben…
Nachdem die Gefahr des nachbarlichen Unfriedens damit gebannt war, denn nun sah ja alles fein und decent aus…
…haben wir beschlossen, uns an diesem Abend ganz besonders vernünftig zu ernähren.
Am nächsten Tag kam ein Paket aus Deutschland an, wie sich herausstellte, hatte Claudia Babl daran gedacht, daß in einem neuen (naja, für uns neuen) Haus auch für gute Vibrations gesorgt werden muß. Die Liebe hat uns einen Buddha geschickt, der nun auf dem Kaminsims seinen Platz gefunden hat. Inzwischen ist er von Kerzen und Blumen umgeben, damit seine Kräfte richtig zur Wirkung kommen können. Claudia, Du bist ein Schatz!!!
Am nächsten Abend haben wir uns einer sehr angenehmen Sache gewidmet, die in den Staaten eine lange und liebevoll gepflegte Tradition hat, dem Barbecue, oder auch BBQ. Auf unserem Kohlegrill mit Rauchfang haben angeblich 58 Hamburger Platz. Wir haben es mal bei zwei dicken Ribeyesteaks und Maiskolben belassen, denn man soll sich ja schließlich gesund ernähren.
Bei den hiesigen Temperaturen gehören zu den needful things auf jeden Fall Klimaanlagen, die man direkt in die Fenster klemmt. Man muß dann allerdings seine Ansprüche in Sachen Ästhetik schon etwas zurückschrauben, und auch das ökologische Gewissen muß zum Schweigen gebracht werden, denn die Dinger sind erstens schrecklich häßlich und fressen zweitens furchtbar viel Strom.
Ich hatte ja die Haushaltsgeräte erwähnt… Ich erzähle mal von der Waschmaschine. Also, Waschmaschine und Trockner stehen in unserem unheimlichen und nach Heizöl muffelnden Keller. Gottseidank sind sie in dem Teil des Kellers untergebracht, in dem man aufrecht stehen kann. Die anderen Kellerbereiche werde ich zu meiden wissen!
Der Trockner bläst die nasse warme Luft durch ein Rohr nach draußen und scheint pflegeleicht, wenn auch etwas eingestaubt zu sein. Dem Flusensieb bin ich erst mal mit Bürste und Wasser zu Leibe gerückt. Gerüchten zufolge bleiben die Fussel gerne in der Wäsche, deshalb werden hier prinzipiell Trocknertücher verwendet.
Die Waschmaschine ist ein Kapitel für sich… Man öffnet sie oben und hat dann freie Sicht auf die Schnecke in der Trommel. In der Mitte der Schnecke (da wo man auf dem Photo noch den Dreck sieht, der inzwischen entfernt ist!) füllt man den Weichspüler ein, in die dreieckige Öffnung rechts unten das Flüssigwaschmittel. Wenn man mit Pulver wäscht, tut man es direkt auf die Wäsche, die man vorher locker um die Schnecke drapiert. Und dann schalte man die Waschmaschine ein! Man hat dabei die Auswahl aus den Temperaturen “Hot-Cold”, “Warm-Cold” und “Cold-Cold”. Man kann dann noch zwischen normaler Wäsche bis hin zu “delicate” wählen und zieht dann an dem großen Knopf. Jetzt holt sich die Maschine Wasser direkt aus der Leitung. Dieses Wasser wird allerdings nicht zusätzlich erwärmt, sondern warmes Wasser ist eben so warm, wie es aus der Leitung kommt. Erstaunlicher Weise kann man den Deckel öffnen während die Maschine Wasser holt und wäscht. Wie das mit dem amerikanischen Sicherheitswahn zusammenpaßt hab ich noch nicht rausgekriegt, aber ich verspreche, meine Pfoten nicht reinzustecken während sich da was dreht!
Ein Waschgang dauert übrigens maximal 20 Minuten plus Spülen und Schleudern. Interessanter Weise wird die Wäsche trotzdem sauber. Das mag allerdings auch an den Waschmitteln liegen, die extrem viel Bleiche enthalten. Für Buntwäsche gibt es welches ohne Bleiche, mal sehen, wie die Sachen nach einigen Malen Waschen aussehen…
Die Spülmaschine ist auch ein Thema für sich. Sie ist riesig und häßlich. Hier hat man gerne dunkle Fronten an den Geräten, gruselig… Aber unsere großen Teller passen rein, was schon mal ein Vorteil ist. Sauber werden sie allerdings nur, wenn man auf “heavy wash” stellt. Und dann dauert ein Spülgang schon gerne mal zweieinhalb Stunden. Dabei macht die Maschine einen so ohrenbetäubenden Lärm, daß man meinen könnte, sie schleudert das Geschirr. Beim Trocknen steigt Dampf aus der Maschine, der die Küchenfenster beschlagen läßt.
Im Moment befindet sich gerade mein erster Kirschkuchen in den USA im Gasherd. Gas macht mich ja immer ein wenig nervös. Aber kochen und backen mit Gas ist sehr angenehm und die Gerüche, die aus der Küche in mein Arbeits-Schrank-Zimmer hochsteigen lassen mich hoffen. Die Kirschen sind hier übrigens auch größer als zu Hause.
Wie könnte es anders sein?
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